BAILEY VS GURSKY
::: Edges of Photography :::

Gestern lief auf arte eine Dokumentation über die Fotolegende David Bailey. Man verfolgt seinen Weg aus der englischen Arbeiterschicht hin zum Vogue-Fotografen und schließlich zu einem der bekanntesten Fotografen der Gegenwart. Er diente als Vorlage für Michelangelo Antonionis (Fotografie-)Kultfilm “Blow Up”, portraitierte Rockstars und Gangster und engagierte sich in sozialen Fotoreportagen…
Nach dieser Foto-Doku folgte direkt der nächste Streich: Andreas Gursky. Der wohl bekannteste und best bezahlte zeitgenössische Fotokünstler wird bei seinem Fotoprojekt “Hamm, Bergwerk Ost” von einem Filmteam begleitet. Man kriegt einen Einblick in Gurskys Arbeitsprozess- von der Vorbesichtigung des Objekts, dem Shooting, der digitalen Nachbearbeitung bis hin zur Ausstellung…

Bailey in BAILEY VS GURSKY <br> ::: Edges of Photography :::David Bailey

Beide Dokus an sich sind sehr interessant und sehenswert. Ich weiß nicht ob die arte-Programm-Leiter absichtlich diese beiden Dokus nacheinander ausstrahlen ließen, aber der Vergleich zwischen den beiden Fotografen ist einfach nur “köstlich”. Icon Wink in BAILEY VS GURSKY <br> ::: Edges of Photography :::

Auf der einen Seite David Bailey, der aussieht und gekleidet ist wie einer dieser Portraitmaler am Montmartre in Paris- mit Farbe besudelt und rauchend. Sein Studio und Atelier sind voll gepackt mit allem möglichen Krims Krams, auf einer Pinnwand hängen Erinnerungsfotos- eins davon zeigt Charly Chaplin als Hitler mit Micky Maus-Ohren…Auf der anderen Seite Andreas Gursky- nahezu neutral gekleidet bewegt er sich in seinem klinisch reinen Atelier. Man sieht kalte, karge Beton-Wände- kein Indiz von menschlichem Leben. Bailey fasst sein Modell an, bewegt Haare und Hände, modeliert es wie ein Bildhauer eine Statue. Er macht Witze und bringt das Modell zum Lachen…Gursky bewegt sich im Bergwerk wie ein Geist, nackte Bergbauer laufen vorbei, ein Kontakt kommt nicht zustande. Die Atmosphäre ist kühl…

Gursky-rhein in BAILEY VS GURSKY <br> ::: Edges of Photography :::Das teuerste Bild der Welt (3,1 Mio.€), ”Rhein II” by Andreas Gursky

Sinnbildlich für mich ist die Szene in beiden Filmen wo die Künstler einen Pinsel benutzen. Bailey verschmiert damit grüne Farbe auf ein Foto von Kate Moss. Gursky säubert mit dem Pinsel Filmkassetten von nicht sichtbarem Staub. Icon Wink in BAILEY VS GURSKY <br> ::: Edges of Photography :::

B 1 in BAILEY VS GURSKY <br> ::: Edges of Photography :::

Es ist faszinierend anzuschauen wie stark das Wesen der jeweiligen Person in ihren Bildern wieder gespiegelt wird. Für den an Dyslexie leidenden Bailey sind Bilder das Sprachrohr. Die wegweisenden und rebellischen Vogue-Fotografien oder die Posterboxen von Stars gemischt mit Gangster-Portraits- spiegeln den exzentrischen Engländer wieder…

In Gurskys Bilder kann man viel hinein interpretieren, von globaler Relevanz sprechen oder sich einen Bechern. Icon Wink in BAILEY VS GURSKY <br> ::: Edges of Photography ::: Ich schließe mich dem früheren Direktor des Centre Pompidou, Werner Spies (Kunsthistoriker) an. Er beschreibt voller Respekt und Anerkennung das Gesamtwerk von Gursky. In seinem Fazit spricht er von Gurskys Distanz und Berührungsangst gegenüber der Welt. Genau diese Reserviertheit ist in allen seinen Bildern sichtbar.

Beide Videos sind noch auf arte.tv zu sehen! Leider vorbei!

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